Modal – Eigenschaften und Verarbeitung

Die aufmerksamen Leser meines Blogbeitrags im letzten November haben sich sicherlich schon gefragt, wo denn mein NĂ€hprojekt aus Modal bleibt… 😉 Hiermit möchte ich euch nun das Top zeigen, das mir ziemlich viele Nerven geraubt hat. Viele denken jetzt bestimmt: „Ha, wusst ich’s doch, die Verarbeitung von Modal ist voll schwierig!“ Diese Angst hatte ich auch, aber nein, so ist es nicht. Vielmehr hatte ich ein paar Auseinandersetzungen mit dem Schnitt. Top genĂ€ht, anprobiert, unzufrieden. Aus Zeitmangel habe ich eine nicht ganz durchdachte Änderung vorgenommen, welche mein erstes Problem zwar gelöst hat, aber ein zweites mit sich brachte (inwiefern ich also durch meine vorschnelle Anpassung Zeit gespart habe, sei dahingestellt…). Also musste ich  erneut abĂ€ndern. Nun ja, aus einem sehr luftigen Longtop wurde nun das:

Top aus Modal
Top aus Modal

Nicht ganz so luftig und nicht ganz so long, aber hey, Modal ist sowieso Àusserst angenehm zu tragen! Womit ich euch doch grad mal etwas zu den Eigenschaften von Modal erzÀhlen könnte.

 

Eigenschaften von Modal

Modal ist weich und atmungsaktiv. Ich mag das TragegefĂŒhl sehr, man ist wie von einem Hauch von Nichts umgeben. Der Stoff ist elastisch und knittert wenig, was fĂŒr BĂŒgelfaule (wie ich) definitiv eine tolle Eigenschaft darstellt. Er hat keinen Stand, aber fliesst wunderschön, wodurch er sich super fĂŒr Kleider eignet. Auch Shirts und Tops lassen sich aus Modal nĂ€hen. Eine bequeme Yogahose könnte ich mir daraus ebenfalls vorstellen. Eigentlich alles, was schön fallend und figurumspielend sein soll. Auch fĂŒr UnterwĂ€sche eignet sich der Stoff, da man darin nicht so schwitzt und das GefĂŒhl auf der Haut Ă€usserst angenehm ist. Er eignet sich fĂŒr Allergiker und sensible Haut. Modal kann definitiv fĂŒr elegante Kleidung verwendet werden, da er schön fliessend fĂ€llt und einen leichten seidigen Glanz hat. Auf dem Lillestoff Blog habe ich eine schöne GegenĂŒberstellung von zwei Kleidern aus Modal und Jersey gefunden, man sieht da gut, wie die beiden Stoffe unterschiedlich fallen.

Modal – ein Hauch von Nichts 🙂

 

Modal fÀllt wunderschön

Im trockenen Zustand ist Modal ziemlich strapazierfÀhig, wenn man den Stoff wÀscht, sollten jedoch ein paar Punkte beachtet werden. Pflegetipps und Waschempfehlungen zu Modal und anderen Stoffen findet ihr in meinem letzten Blogbeitrag. Da Modal so weich und elastisch und rutschiger als andere Stoffe ist, haben viele Respekt davor, ihn zu vernÀhen. Gerne gebe ich euch darum ein paar Tipps, die bei der Verarbeitung hilfreich sein können. Eins kann ich aber schon vorweg nehmen: das VernÀhen von Modal ist keine Hexerei und ist definitiv gut machbar!

Modal macht glĂŒcklich 😀

Verarbeitung von Modal

Damit sich der Stoff beim Zuschneiden nicht verzieht oder wegrutscht, ist es von Vorteil den Rollschneider zu benutzen. Achte darauf, dass der Stoff nicht vom Zuschneidetisch runterhĂ€ngt, da er sich sonst verzieht. Da Modal tendenziell rutscht, kann es hilfreich sein, die Schnittteile mit genĂŒgend Wonderclips oder Stecknadeln zu befestigen. Wenn dir das nicht reicht, hilft das gute alte Heften. 😀 Und das VernĂ€hen? Mit der Overlock hatte ich keinerlei Schwierigkeiten und der Stoff liess sich problemlos wie Jersey nĂ€hen. Dies kann wahrscheinlich je nach Overlockmaschine variieren. Je nachdem könnte es hilfreich sein, den Differentialtransport zu verstellen. Am besten nimmst du ein ReststĂŒck von deinem Stoff und probierst aus, wie das Resultat wird. Beim NĂ€hen solltest du ebenfalls unbedingt darauf achten, dass der Stoff nicht vom Tisch runterhĂ€ngt oder dass er auf irgendeine Art gedehnt wird. Mit der NĂ€hmaschine musste ich ein wenig ausprobieren, bis ich mit der Naht zufrieden war. Ein paar NĂ€hte auf einem TeststĂŒck sind echt goldwert! Ich habe die Fadenspannung stark verringert und mit einer kleinen StichlĂ€nge genĂ€ht. Sollte deine Maschine den Stoff nicht schön transportieren oder „fressen“, kannst du ein StĂŒck Seidenpapier unterlegen, das du am Schluss wieder wegreisst. Da der Stoff elastisch ist, solltest du selbstverstĂ€ndlich auch einen elastischen Stich wĂ€hlen und eine feine Jersey- oder Stretchnadel verwenden. Mit diesen Tipps sollte dir bei der Verarbeitung von Modal nichts mehr im Wege stehen! Jetzt fehlt aber noch etwas: Woher kommt denn Modal eigentlich?

 

Modal Poppyfield coral von Lillestoff

Herstellung von Modal

Modal wird aus Buchenholz gewonnen und ist Ă€hnlich wie Viskose, sie unterscheiden sich jedoch im Spinnverfahren und der Gewebeart. Bei uns im Shop findet ihr Modal von Lillestoff. Dabei handelt es sich um „Lenzing Modal“, dessen Buchenholz zu mehr als der HĂ€lfte aus Österreich gewonnen wird, der Rest kommt aus den umliegenden LĂ€ndern. BuchenwĂ€lder stellen eine ganz natĂŒrliche und nachhaltige Rohstoffquelle dar, da sich der Baum ĂŒber VerjĂŒngung vermehrt und sich der Bestand von selbst ausbreitet. KĂŒnstliche BewĂ€sserung oder Bepflanzung sind nicht notwendig. Die WĂ€lder entsprechen dem jeweiligen Forstgesetz und werden nachhaltig bewirtschaftet. Somit ist die Herstellung ökologisch vertretbar, umweltfreundlich und ressourcenschonend – dies mehr als bei der Herstellung von Baumwolle.   

Modal wird aus Buchenholz gewonnen

 

Modal – ein Stoff zum WohlfĂŒhlen

Ganz ehrlich, ich hatte ziemlichen Respekt davor, Modal zu vernĂ€hen. Jetzt bin ich aber umso glĂŒcklicher, dass ich es gemacht habe! Wenn du den Stoff noch nie in der Hand hattest, musst du dies unbedingt nachholen – ich bin ĂŒberzeugt, dass du begeisterst sein wirst. Obwohl ich nun ein paar graue Haare mehr habe (wegen des Schnitts und nicht wegen des Stoffs ;)), freue ich mich echt ĂŒber mein neues Top aus dem wunderbaren Poppyfield coral Modal von Lillestoff. Bestimmt werde ich mir bestimmt noch einige WohlfĂŒhlteile aus Modal nĂ€hen!

Modal – ein Stoff zum WohlfĂŒhlen

 

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Beitrag ein wenig die Angst vor dem VernÀhen von Modal nehmen konnte und dass du dich bald an ein Projekt aus Modal traust. Du wirst sicherlich grosse Freude an deinen genÀhten Werken haben! Besonders jetzt mit den steigenden Temperaturen eignet sich der Stoff ganz wunderbar.

Wenn du noch Fragen hast oder ĂŒber deine Erfahrungen erzĂ€hlen möchtest, freue ich mich sehr ĂŒber deinen Kommentar!

 

Herzliche GrĂŒsse

Aline von YingDesign

 

Stoff: Modal Poppyfield coral – Lillestoff

Schnittmuster: abgeĂ€nderte Version 😉 Top 05/2013 #104 – Burda S

4 Kommentare bei „Modal – Eigenschaften und Verarbeitung“

  1. Liebe Rosina
    mich wĂŒrde das tolle Schnittmuster interessieren ?!
    LG und schönes Wochenende.
    Erika

    1. Liebe Erika, das Top ist aus dem Schnittmuster Top 05/2013 #104 von Burda Style entstanden. Auch Luft&Liebe von Jojolino ist in der Art. Ich habe es jedoch abgeĂ€ndert (enger, kĂŒrzer, BĂŒndchen dran). Unten ist es Ă€hnlich wie Isabelle von Himmelblau. Herzliche GrĂŒsse, Aline

  2. Wie erkenne ich recht und linke Stoffseite? Sind die identisch? Betrifft unistoff !

    1. Liebe Natalie, danke fĂŒr deine Frage. Bei Modal Stoffen kannst du die linke und die rechte Seite wie folgt unterscheiden:
      1. die rechte Seite ist glÀnzender als die linke. Die linke Seite ist im Vergleich eher matt.
      2. Bei der rechten Seite siehst du im Fadenlauf die kleinen V-Formen (d.h. Richtung Stoffbruch), auf der linken Seite siehst du die m-Formen (Wellen). Ähnlich wie beim Stricken.

      Ich hoffe das beantwortet deine Frage. Sonst komm gerne jederzeit wieder auf uns zu 🙂
      Christian vom YingDesign Team

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